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Immer selbstkritisch? Wie wir sanfter mit uns selbst werden


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

«Was hast du denn da schon wieder für einen Mist gebaut? Du bist aber auch blöd!» Autsch, das klingt nicht besonders nett. Doch ausgerechnet mit uns selbst sprechen wir innerlich nicht selten so hart. 

Vielleicht ist Ihnen schon einmal der Tipp begegnet, sich stattdessen zu behandeln, wie man es mit einem engen Freund, einer engen Freundin tun würde - wohlwollend und wertschätzend. Falls das bei Ihnen nur mittelmäßig klappt, sind Sie nicht allein.

Denn strenge Selbstkritik hat ihre Wurzeln meist in einer frühen Kindheitsprägung. Und die aufzuarbeiten, erfordert schon etwas mehr Auseinandersetzung. 

Dahinter steckt laut dem Psychologen und Coach Ramón Schlemmbach oft eine Unzulänglichkeitsprägung: der Glaubenssatz, man sei nicht gut genug. Diesen haben einige von uns im jungen Alter erlernt. Darin steckt auch eine gute Nachricht: «Ich bin nicht geboren mit diesem Gefühl», so Schlemmbach. Dieser Glaubenssatz lässt sich also mittelfristig auch wieder verlernen.

Selbstkritik als Schutzmechanismus: Das sind typische Wurzeln

Wie genau erlernt man die Annahme, dass man nicht gut genug ist? Es kann zum einen sein, dass man negative Erfahrungen am eigenen Leib zu spüren bekommen hat. «Weil meine Eltern sich nicht für mich interessiert haben, weil ich gemobbt wurde, weil meine Geschwister alles immer besser konnten oder weil ich gehauen wurde, wenn ich Fehler gemacht habe», nennt Schlemmbach Beispiele. 

Zum anderen kann es sein, dass ich als Kind beobachtet habe, wie andere hart in die Mangel genommen wurden. «Wenn ich etwa merke, dass Papa immer fertig gemacht wird, wenn er was falsch macht, kann das dazu führen, dass ich verinnerliche: Oh Gott, ich muss alles richtig machen», so der Psychologe. 

In beiden Fällen wird die Angst, etwas falsch zu machen, zum treuen inneren Begleiter. Indem wir besonders streng und hart mit uns selbst umgehen, versuchen wir sicherzustellen, dass wir nicht zu viele Fehler machen. Im Grunde ein Schutzmechanismus: «Dann bin ich auch nicht so angreifbar.»

Allerdings erhöhen wir damit auch den Druck auf uns selbst und die Angst vor Fehlern wird noch größer, was Stress auslösen und zu Prokrastination führen kann. «Menschen, die immer hart mit sich sind, sind auch einfach nicht glücklich», bricht Schlemmbach es herunter. «Die sind rastlos.»

Ursprünge erkennen und ihnen emotionale Macht nehmen

Der Schlüssel zu einem sanfteren Umgang mit sich selbst ist, die individuellen Ursprünge im ersten Schritt zu identifizieren. Im zweiten Schritt nimmt man ihnen das emotionale Gewicht, man «entmachtet» sie, so der Psychologe. «Dann merke ich: Ich weiß zwar noch, dass das geschehen ist. Aber es fühlt sich nicht mehr so schlimm an, denn ich bin nicht schuld und ich bin trotzdem in Ordnung.»

Wer seine Unzulänglichkeitsprägung einmal auf diese Weise aufgearbeitet und verinnerlicht hat, tief im Inneren in Ordnung zu sein, brauche den Schutz über harte Selbstkritik nicht mehr. 

Für Situationen, in denen uns tatsächlich Fehler passieren, hat Ramón Schlemmbach noch einen ganz konkreten Tipp: Statt sich abzuwerten, kann man einmal üben, schlicht den neutralen Fakt zu beschreiben. «Zum Beispiel nicht zu sagen "Ich bin so dumm", sondern "Ich habe etwas fallen lassen".»


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(21.09.2026)